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es handelt sich immer um den Artikel wie er geschrieben wurde, nicht wie er veröffentlicht wurde

Eckernförde Piratentage: Ein Jugendroman Jörg Lütjohann hat ein Buch für Kinder geschrieben: „Piratentage“ spielt in Eckernförde

Piratentage. Ein Buch mit diesem Titel kann doch eigentlich nur in Eckernförde spielen. Aber nur in unserem, heutigen Eckernförde, denn mit historischen Piraten war es wohl etwas dünn gesät in den alten Zeiten, oder? Wer bisher glaubte, die Grundlage der Piratentage sei ausschließlich Marketing, wird von Jörg Lütjohann eines Besseren belehrt. Der Hohenwestedter Grundschul-Lehrer zeigt in seinem Roman für Kinder und andere Abenteurer, dass es wohl doch Piraten gegeben haben muss, denn was für ein großer Segler ist es denn sonst, der in Sichtweite der Küste im Jahre 1783 ankert? Tim und Anja, die es unvermutet von den Eckernförder Piratentagen in die historische Vorzeit verschlagen hat, merken schnell, welch raue Gesellen auf dem Boot sind.
Liegt es an ihrer gelungenen Kostümierung, die sie stilecht zu den Piratentagen angelegt haben oder verwechselt man sie? Tim und Anja werden von der Stadtwache verhaftet und landen im Arrestraum des alten Rathauses. Der Alte, der grässliche Piratenkapitän scheint etwas von ihnen zu wollen, denn er verhilft ihnen zur Flucht.
Aber die beiden geraten eher vom Regen in die Traufe, der Alte ist sehr zwielichtig. Sie müssen also versuchen vom Schiff zu fliehen. Ob ihnen bei ihrem Vorhaben, einen weiteren Gefangenen zu befreien, der geheimnisvolle Graf von Saint-Germain hilft? Und wenn auch dies Abenteuer gemeistert werden sollte, - können die Beiden wieder in das heutige Eckernförde zurückgelangen?

Jörg Lütjohann lässt in seinem Buch das alte Eckernförde kenntnisreich mit vielen Details wieder erstehen. Nebenbei wird der Leser in die Welt der Piraten eingeführt und erfährt, wie es an Bord bei den rauen Gesellen so zugeht. Dieser Roman dürfte das erste Kinderbuch sein, das Eckernförde als Schauplatz hat. Im modernen Teil begegnen wir Claudia Piehl mit den Showpiraten und Wing-Tsun wird als Selbstverteidigung geübt.
Das alte Eckernförde mit seinen Handwerkern, Fischern und Bütteln, mit seltsamen Gerüchen und dem kleinen Friedhof um die Nicolai Kirche ist auch auf einer historischen Karte im Buch zu bewundern. Carl von Hessens Farbenfabrik, in der der Graf von Saint Germain seine Farbversuche macht, ist eingezeichnet und auch die lange Brücke, die Eckernförde mit dem Fischerdörfchen Borby verbindet, über das damals noch mit dem Hafen verbundene Noor.
Das Buch ist ein wirkliches Kinderbuch, die Sprache ist lebendig und modern, ohne aber modernistisch, trendtypisch oder kindisch zu sein. Da schreibt jemand, der Kinder kennt und sie liebt. Der Autor, der hiermit seinen ersten Roman vorlegt, hat acht Monate mit Recherchen zugebracht. Die usprüngliche Idee zu dem Buch entstand in Eckernförde: Für seine vierte Klasse hatte Lütjohann ein Piratenmusical geschrieben und musste Requisiten und Ausstattung besorgen. Aber Piratenflaggen etc. waren wie ausgestorben, außerhalb der Faschingszeit nicht zu bekommen. Jörg Lütjohann erzählt: „Da las ich in der Zeitung von den Eckernförder Piratentagen und wurde in doppelter Hinsicht fündig: Ich geriet gleich zu Anfang in eine Darbietung von Claudia Piehls Musical-Piraten und folgte ihnen fasziniert von Auftritt zu Auftritt durch die Innenstadt. So lernte ich Eckernförde kennen.“
Es wurde eine doppelte Liebe: Die zu Eckernförde als bezaubernder Stadt und zu der sich nun vertiefenden Piratengeschichte.
Das Titelbild und die Motive aus der Piratenwelt im Inneren sind Zeichnungen des Autors, der auch das Piratenlied „Holzbein, Augenklappe…“ gedichtet und komponiert hat, das an entscheidenden Stellen im Buch auftaucht.
Der vorliegende Band, der derzeit vom Mohland Verlag an die Buchhandlungen ausgeliefert wird, verdient den Titel „besonders eckernfördig“ und bietet sich an, als Mitbringsel und Gastgeschenk von hier in die Welt getragen zu werden.
Jörg Lütjohann: „Piratentage, der Roman zu den Piratentagen“ Mohland Verlag (www.mohland.de) ISBN 3-936120-41-2 10 Euro
Jörg Lütjohann: http://www.joerg.luetjohann.net/


070502 Eckernförder Zeitung

   
Ganz Altes trifft auf Neuestes

Unter dem programmatischen Namen „Klangräume“ musizierte das Vocalensemble voces aus Berlin in einem Konzert mit den Neutönern Beatrix Wagner und Gerald Eckert aus Eckernförde.

Sebastian Schwarze, Karola Hausburg, Katja Kanowski, Beatrix Wagner (v), Friedemann Gottschick, Dirk Hauenschild, Gerald Eckert


 dito

vorne: Dirk Hauenschild, Sebastian Schwarze,
hinten: Friedemann Gottschick, Katja Kanowski, Beatrix Wagner, Gerald Eckert

 dito

Als letzte Veranstaltung vor der zweimonatigen Renovierungspause wurde nochmals ein besonderes Konzert in der St. Nicolaikirche präsentiert: Das in Berlin beheimatete Vocalensemble voces gastierte mit einem a capella Programm. Voces sind außer der Eckernförder Kantoristin Katja Kanowski noch Karola Hausburg, Dirk Hauenschild, Friedemann Gottschick und Sebastian Schwarze. Die Sänger, die jeweils auch als Solisten arbeiten, lernten sich 1991 beim gemeinsamen Studium an der Berliner Kirchenmusikschule kennen. Ihr Programm umfasst Werke, die zeitlich von der Renaissance bis zum 20. Jahrhundert reichen. Bei dem Eckernförder Konzert wurden Werke von Carlo Gesualdo (1594), Hugo Distler (1934), Sven Erik Bäck (1965) und Josquin Deprez (1490) gesungen. Das Konzert wurde abgeschlossen mit chorischen Werken von William Byrd (1589) und Knut Nystedt (1969). Diesem großen zeitlichen Bogen gesellte sich ein weiterer, musikalischer Brückenschlag zu: Gerald Eckert und Beatrix Wagner präsentierten Werke der neuesten Zeit. Als Nestor dieser Stücke zeigte sich „Mod´ son 6“ (1986) von Francois Rossé. Dieser Französische Komponist befasst sich gerne mit Improvisation. Entsprechend mager fallen die festgelegten Elemente aus, die Beatrix Wagner auf der Alt-Querflöte und Gerald Eckert am Cello zu gestalten haben. Das Stück, das von Wasserspielen inspiriert wurde, verbreitete schnell eine gelöste „feuchte“ Atmosphäre im Kirchenraum.
Eine Besonderheit war bei dem modernen Programmteil dieses Konzertes die Wiedergabe mehrerer Stücke die für das Medium Tonband geschrieben wurden. Von Gerald Eckert erklang gleich zum Konzertbeginn das Stück „Diaphane“ von 1995. Diaphane heisst durchscheinend. Die teilweise heftigen und lauten Klangstrukturen dies Werkes lösten reiche Assoziationen aus. „Dieses Werk besitzt eine „Tiefenschärfe“ und sucht die Strukturen, die hinter der „bloßen Lautheit“ liegen,“ erläuterte der der Komponist seine Komposition.
Ein weiteres „Wasserstück“ hatte den Titel „Dreams in the desert“ und wurde für 2-Kanal-Tonband von Elaine Lilios 2001 geschrieben. „Eine sehr subjektive Beschreibung von Assoziationen auf einem Wüstentrip“ erläutert Gerald Eckert, der hier als Klangregisseur fungierte.
„Klangräume2“ ist von 2000 und wurde von Eckert für Tonband und Piccolo geschrieben. Bei dem Stück geht es um eine Auseinandersetzung zwischen Instrument und Elektronik und eine Verknüpfung zwischen Grafik und Klang. Eckert wollte grafische Konstruktionen mittels Computer / Synthesizer in Beziehung zueinander setzen. Der Komponist erläuterte: „Gegenstand der Auseinandersetzung mit grafischen Strukturen war der Gedanke, Architektur als außerzeitlich erfassbare Gesamtheit in musikalische, d.h. zeitlich sich kontinuierliche abwickelnde Klangräume umzusetzen.“ Das Publikum reagierte begeistert auf die äußerst kraftvolle, teilweise sogar gekonnt aggressive und scheinbar nicht von Atempausen unterbrochene Spielweise von Beatrix Wagner.
Das Konzert in seiner Gegensätzlichkeit der musikalischen Ausdrucksweisen wurde von den Besuchern als reizvoll erlebt: „Ein Wechselbad ergreifender Gefühle“ habe sie erlebt, bekannte eine Besucherin beim Verlassen des Kirchenraumes.

020603 Eckernförder Zeitung

 

http://fognin.net/fognin.htm

Finissage mit Überraschung In Marianne Tralaus Frühstücksbühne ging die Ausstellung „Taschen und Beutel“ von Carola Willbrand zu Ende

Carola Willbrand: „Herzen muss auch hinter sich lassen können!“

Carola Willbrand Beutel und Herzen bewegend

Künstlervolk: hinten: Carola Willbrand, Felix mit Cordula Thonett, Marianne Trallau
vorne: Josefina und Mila Thonett
„Herztöne“ lautete der Titel der Performances, die Carola Willbrand als Schlusspunkt ihrer Ausstellung „Taschen und Beutel“ geplant hatte. Sowohl Taschen als auch Herzthemen sind zentrale Punkte in den künstlerischen Prozessen der Kölnerin. „Ich interessiere mich für Behältnisse“ bekennt sie und weist damit Parallelen der Themen auf: „Beides sind Frauen-Themen, Taschen und Herzen“, die sie als Bildhauerin aufgreift. In ihrem geräumigen Taschenkleid, bestehend aus einem normalen, aus einem bei einer Ausstellung gebrauchten Vorhang genähten Kleid mit unzähligen innen und außen liegenden Taschen in verschiedener Größe und einem ebenfalls ausgestellten Rucksack in Herzform hat sie das gesamte Ausstellungsmaterial von Köln nach Eckernförde transportiert: Per Bahn! Bei solchen Anlässen kommen dann schon wunderbare Begegnungen zustande, mit leicht irritierten Zeitgenossen, die verwundert erleben, wie aus der Taschenflut ein unbeschreiblicher Inhaltswust herausgekramt wird. Akkurate Schweizer Grenzbeamte, bemüht eine ordentliche Deklaration zu schreiben, gerieten an das Ende ihrer professionellen Ruhe bei einer ähnlichen Reise. Nur zu gern kam die bunt gekleidete Künstlerin der Aufforderung nach, doch mal auszupacken. Vor den Augen der verzweifelnden Beamten wurden mit lasziver Langsamkeit wunderlich geformte Gebilde herausgeholt, von niemals endenwollender Länge, in pink und himmelblau, herztönend knisternd unter den geschickten Fingern ihrer Schöpferin. All diese Teile wurden von den Grenzwächtern vermessen und erfasst und als Einreisedeklaration fast schon selbst zum sprachlichen Kunstwerk geformt.
Solche, und ähnliche bunte und mittreißende Geschichten erzählte Carola Willbrand bei der Finissage in der Frühstücksbühne. Ihr Geschenk an das Publikum wurde mit einem überraschenden Gegengeschenk beantwortet: Die acht und zehnjährigen Enkelkinder der Galeristin zeigten einen gemeinsam einstudierten Bauchtanz. Ankündigen liessen sie sich von der Puppe Felix, der ihre Mutter, die Puppenspielerin Cordula Thonett Stimme und Bewegung lieh. So wurde aus dem Ausstellungsende ein kleines Fest, das zur nächsten Veranstaltung am 22. Juni mit Installation von Scherenschnitten von Marianne Tralau hinüberleitet.

060603 Eckernförder Zeitung

   
Zuzana Hlináková illuminiert im Kulturpark Einen besonderen Auftakt des Feuerwerks anlässlich der Eckernförder Festtage hatten sich die Künstler des Kunst und Kulturvereins ausgedacht: Zuzana Hlináková Objekt „Sieben Gärten“ wurde illuminiert.


Da staunten die Passanten die in Vorfreude auf das festliche Feuerwerk an der Kurpromenade entlang schlenderten nicht schlecht: In warmen Rottönen flackert ein harmonischer Lichterschein über die Wiese. Dort stehen derzeit diverse Objekte und Plastiken die der Kulturverein in Rahmen seiner jährlichen Aktion „Kulturpark“ der Öffentlichkeit präsentiert. Das markante Landartobjekt „Sieben Gärten“ bestehend aus 49 großen Blumentöpfen, quadratisch angeordnet und umgeben mit einem kleinen Mauerchen aus gebrannten roten Ziegelsteinen leuchtete zart von Innen. In den Töpfen sorgten kleine Teelichte für erstaunlich viel Licht, das mit fortschreitender Dunkelheit immer mehr Besucher auf die Wiese zog. „Da gehört Sand rein“ meinte eine Besucherin kategorisch. „Sie dürfen reinfüllen was Sie wollen“ antwortete Zuzana Hlináková „allerdings in Gedanken“ fügte sie schelmisch hinzu. Die Künstlerin wurde in der Slowakei geboren, sie studierte Kunstpädagogik und Bildhauerei in Kiel. Wer einen an einem Laienkurs in Darry Anfang August mit dem Thema: „Skulpturen aus Stein - Bildhauerwerkstatt unter freiem Himmel“ interessiert ist, kann unter 0 4347 - 90 84 47 Kontakt aufnehmen.

130703 Eckernförder Zeitung

   
Camus Drama „Die Besessenen“ in der Waldorfschule Mit den Erscheinungen des Materialsmus beschäftigt sich das Stück von Albert Camus. Können heutige Schüler dem Stoff von 1959 gerecht werden?


Gruppenbild mit Souffleuse

Die jugendlichen Schauspieler in dem stimmungsvollen und vielseitigen Bühnenbild
Am Mittwoch und am Freitag jeweils um 20 Uhr spielen die Schüler der 12 Klasse der Waldorfschule das Stück „Die Besessenen“ von Albert Camus.
Das Stück beruht auf dem Roman „Die Dämonen“ von Fjodor Dostsojevskij. Literaturnobelpreisträger Camus verdichtete 1959 den Inhalt des meisterlichen Romans und arbeitete die zentralen Fragestellungen für die Theaterfassung meisterlich aus.
Stepan Trofimowitsch, ein alternder Dichter lebt in einer russischen Kleinstadt in dem Haus seiner Freundin, der Generalin Wawara Stawrogina. Seinen Sohn Peter hatte er ins Ausland gebracht und sich schließlich der Erziehung Nikolai Stawrogins, dem Sohn Wawaras, gewidmet. Nikolai kehrt aus dem Ausland zurück, nachdem er dort in Streitigkeiten verwickelt war. Peter Trofimowitsch, ebenfalls wieder nach Russland zurückkehrend, will mit ihm zusammen eine Terroristische Organisation aufbauen. Der ältere Stepan Trofimowitsch hegt zwar auch Kritik an den Verhältnissen in seiner Heimat, aber ist vollkommen in seine Gedankenspiele verfangen und unfähig zu handeln. Selbst seine persönlichen Liebesangelegenheiten bekommt er nicht geregelt. Er und seine Mitstreiter hegen zwar große politische Pläne, kommen aber nie dazu, diese in die Tat umzusetzen. Nikolai Stawrogin, der eine schreckliche Tat aus seiner Vergangenheit auszulöschen versucht, reißt - auf der Suche nach Vergebung - auch seine Mitmenschen ins Unglück. Die Ereignisse steigern sich schließlich bis zu einem tragischen Ende.
Das Stück, das als Klassenspiel der 12. Klasse der Freien Waldorfschule Eckernförde Teil des Abschlusses ist, haben sich die Schüler selbst ausgesucht. Zur Begründung steht in dem gekonnt gestalteten Textheft: „Den Ausschlag zugunsten der Besessenen gab letztendlich unsere Einsicht darein, dass wir eher eine russische als eine chinesische Klasse sind. Außerdem konnten wir uns alle auf dieses Drama einigen, da uns einerseits das Milieu, in dem das Stück spielt, gefiel, und da uns auch die philosophischen und ethischen Fragen, mit denen es sich beschäftigt, interessieren.“
Wie üblich gestalteten die Schüler fast alles um die Inszenierung selbst: Kulissenbau, Kostümschneiderei, Beleuchtung und Plakat und Programmheft gestalteten sie zusammen mit ihren Lehrern und integrieten so praktische Fähigkeiten in den Schulalltag. Nur sechs Wochen gönnten sie sich für die Proben um doch in dieser kurzen Zeit zu reifen Leistungen aufzulaufen. Mehrere Rollen sind an den beiden Aufführungstagen unterschiedlich besetzt, alle Schüler haben so Gelegenheit ihre schauspielerischen Fähigkeiten zu präsentieren. Diese sind nicht gering, wie die Generalprobe, zu der die EZ geladen war, zeigte. Den jungen Menschen gelang es nicht nur in der kurzen Probenzeit ihre Rollen auszuarbeiten, auch mit dem anspruchsvollen Inhalt haben sie sich merklich auseinandergesetzt und in die Stimmungen und Spannungen des vorrevolutionären Russlands eingelebt.
Besonders gelungen ist auch die Inszenierung als Ganzes. Andreas Voigt, der dafür zeichnet, merkt man seine professionelle Erfahrung aus dem Thetaterbereich an. Der 1958 in Kiel geborene Lehrer kann auf ein langjähriges Wirken als Schauspieler und Theaterpädagoge zurückschauen. Geradezu genial muten seine Entwürfe von Bühnenbild und Licht an, die sparsamst und multifunktional eingesetzt dem dramatischen Geschehen auf der Bühne einen verständigen Halt geben.
Wer das spannende und erschütternde Drama erleben möchte, kann am Mittwoch den 18. Juni und am Freitag den 20 Juni die unterschiedlichen Bestzungen in der Waldorfschule, Schleswiger Strasse 112, ansehen.

170603 Eckernförder Zeitung

   
Lesart – Volles Programm zu Wasser und zu Lande Litera-Tour bietet die Reihe Lesart mit vielfältigen Höhepunkten für das literarisch interessierte Publikum an wechselnden Schau- und Hörplätzen

Sprechspieler Gerald Friese www.sprechspieler.de

One Night Band

One Night Band

Zum Auftakt geht die zweite Runde der Lesart Reihe hinaus aufs Meer. Mit der vom Kulturbeauftragten Sven Wlassack in „Musenschiff Borby“ umbenannten MS Borby wird das Publikum nicht nur in die Weiten der See gelockt, auch die Literarische Reise gruppiert sich rund um die Eckernförder Bucht. Heimische Autoren wie Wilhelm Lehmann, Detlev von Liliencron, Gustav Falke, Dolly Steffen, Jörg Lüttjohann, Roswitha Ceglars und Ilse Behl kommen neben vielen anderen zu Wort. Sprachlich und szenisch vorgetragen von dem Hamburger Sprechspieler Gerald Friese, der bei kleineren Auftritten schon die Ohren und Herzen des Eckernförder Publikums erobert hat. Die literarische Seereise wird außerdem begleitet von der heimischen „One Night Band“. Sigi Siemsen (Gesang), Rainer Beuthel (Bass) und Achim Prigge (Gitarre) sind musikalisch bei den „Eckernförder hafenmusicern“ beheimatet und werden, diesmal über die offenen Wogen, immer wieder gern gehörte Jazzstandards aus den 50er und 60er Jahren ertönen lassen. Da Kultur bekanntlich auch durch den Magen gehen soll, ist für Essen und Trinken bei der Veranstaltung am Freitag den 8.8. von 20 bis 22 Uhr auch gesorgt. Karten gibt es ab Montag in der Stadtbibliothek.
Eben dort wird am 5.9- um 20 Uhr die Lesart Reihe fortgesetzt mit einer spannenden Krimilektüre: „Das Rätsel der Sandbank“ von Erskine Childers. Um Flottenwettrüsten, Spionage und Yachtsegel vor der schleswig-holsteinischen Küste geht es in dem 1903 erschienen Roman. Matthias Unruh, Schauspieler des Kieler Theaterensembles wird die Lesung gestalten, die in Kooperation mit dem Literaturhaus Schleswig-Holstein veranstaltet wird.
Wie im letzten Halbjahr bittet das Lesart-Programm unter dem Titel „Erlesenes“ wieder um Beteiligung. Bürger unserer Stadt erhalten die Möglichkeit aus ihren Lieblingsbüchern vorzutragen. (Anmeldung unter 04351 – 5640 oder 04351 -710170) Die erste Bürgerin unserer Stadt, Susanne Jeske-Paasch hat bereits lebhaftes Interesse angemeldet, auch aus ihrem Bücherregal einen Liebling vorzulesen. Am Freitag 26.9. um 19.30 wird in der Stadtbücherei außerdem die Gruppe „Huntaufshertz“ mit Gerhard Breier (Saxophon), Werner Loll (Vibraphon) und Rainer Beuthel (Gitarre) den musikalischen Rahmen mit eigenen Stücken bilden.
Im Herbst, am 24.10. können sich die Literaturfreunde noch auf eine Autorenlesung mit Jochen Missfeld freuen. Im November werden die Kinder- und Jugendbuchwochen unter dem Motto „Brückenbauen grenzenlos“ auch in der Stadtbücherei stattfinden. Das Lesart Programm wird diesmal im Dezember mit einer Adventslesung der Schreibwerkstatt der VHS Eckernförde abgeschlossen.
Ein liebevoll von Katharina Mahrt gestaltetes Faltblatt der Veranstaltungsreihe liegt in der Bibliothek, den Buchhandlungen, dem Rathaus und in vielen anderen Ort aus.

170703 Eckernförder Zeitung

   
Mit den Schmieden im Wind „Einmal auf einem Schiff hinaus“ Dieser Traum verwirklichte sich jetzt für die gestaltenden Schmiede, die Eckernförde mit ihrer Kunst verschönert hatten.



 Sabine Arend Steinke und die Wikinger begüssen die Gäste an Board mit einem traditionellen Schluck Met.

entspannte Seeromantik an Board des Traditionsseglers Platessa

Sabine und Bernd Steinke erheben Ewald Huss in den Botschafterrang

Segelbergen durch die junge Mannschaft der Platessa: (.l.n.r.) Anton und Tosca helfen Hans-Peter Blaser
Aus ganz Europa kamen die 55 Schmiedekünstler, die mit ihren vielfältigen Skulpturen, Objekten und sakralen Kunstwerken Eckernförde zur heimlichen Hauptstadt geschmiedeter Kunst kürten. Verständlich der Wunsch, einmal auf einem der großen Holzschiffe hinauszufahren, haben doch die Traditionssegler einen deutlichen Anteil an dem typischen Eckernförder Ambiente. Ewald Huss, der markante Skipper der „Platessa von Esbjerg“ (www.platessa.de) und Sabine Arend-Steinke und Bernd Steinke von SAS Marketing waren sich schnell einig, diesen Wunsch nicht nur zu erfüllen, sondern auch gleich zum Kulturtreff auszubauen. „von Feuer und Eisen geprägte Gesichter“ fand Bernd Steinke, „passen auf ein Traditionsschiff“. Ewald Huss, selber hatte er einst Schmied gelernt, wusste: „Schmiede sind besondere Menschen, das macht das Feuer“. Zusammen mit Heiner Marten, dem örtlichen Botschafter und Organisator der internationalen Schmiede luden sie Eckernförder Künstler, Käufer und Sponsoren der Schmiedekunst, die Bürgermeisterin Susanne Jeske-Paasch, und natürlich die Schmiede selber zur Entdeckungsfahrt in die Eckernförder Bucht. Gestartet wurde außer mit der Platessa auch mit der schmucken Galeasse Solvang.
Empfangen wurden die Gäste bereits am Pier von einem Wikingerpaar in voller Rüstung. Zur Begrüßung gab es einen herzhaften Schluck Met und kurze Ansprachen der Veranstalter, die sich besonders auch über die Teilnahme von Bürgern freuten, die sich aktiv für den Verbleib von Plastiken in Eckernförde eingesetzt hatte. Zusammen mit anderen Anwohnern der Prinzenstrasse hatte die Familie Jäger sich für den Verbleib der Skulptur „Braunalge“ eingesetzt, die malerisch in der Lachsenbachmündung thront. „Die Skulptur wurde extra für diesen Standort von Hans-Jürgen Zyche geschmiedet“ erklärte Frau Jäger „und ist auch ein gelungener Schlusspunkt für die wunderbare neue Borbyer Promenade.“ Bürgermeisterin Susanne Jeschke-Paasch freute sich, nach kurzen einvernehmlichen Verhandlungen mit dem Künstler, den Bürgern zusagen zu können: „Die Plastik bleibt da!“ Zwei weitere Plastiken wurden der Stadt gestiftet: „Sounds“ von Michael Kaczmar verbleibt in unserer Stadt und der Lotuskelch von Martin Bläse aus der Sakralen Ausstellung in der Nicolaikirche wurde auch zum Verbleib gestiftet. Die anderen Objekte der sakralen Ausstellung wanden für acht Wochen weiter nach Kiel in die ev. Darlehensgenossenschaft. Ein weiteres Objekt, „Share-russel“ von Achim Kühn bleibt in der Nähe: Frau von Gerlach stellt das von ihr erworbene Objekt auf den Vorplatz von Gut Hohenstein.
Die geruhsame Fahrt der Platessa und der Solvang in der von lauen Lüften des sanft über die Eckernförder Bucht streichenden Windes wurde begleitet von den gekonnten Klängen der Bordkapellen. Auf der Platessa musizierte die von der Hafenmusic-Reihe bekannte Gruppe „Blind Man´s Buff“ (www.bmb-seamusic.de) professionell und voller Lebensfreude Seemusik aus aller Welt. Gelegenheit zum Kennen lernen und Zeit für anregende Gespräche zwischen den verschiedenen Teilnehmern war ein erklärtes Ziel der Organisatoren und wurde auch reichlich genutzt. Heimisches Essen und Trinken dazu wurde von der Wittenseer Quelle, der Käserei Holtsee, der Getränkefirma Behn, der Brauerei Schleswig und der Eckernförder Räucherei Rehbehn und Kruse gestiftet. Feierlicher Höhepunkt der Fahrt war die Ernennung von Skipper Ewald Huss zum Botschafter des Wikingerlands. Sabine und Bernd Steinke, die auch das Tourismusportal www.Wikingerland.de betreiben, hefteten dem Skipper die strenge limitierte Möwe Thor in Form einer Krawattenklammer an das T-Shirt. Der so geehrte befindet sich jetzt in bester Gesellschaft: Neben Ministerpräsidentin Heidi Simonis tragen auch noch andere namhafte Vertreter der Öffentlichkeit diese Auszeichnung. Als am späten Nachmittag die beiden Schiffe mit ihren sonnendurchglühten Gästen wieder im Eckernförder Hafen anlegten, blieb eine kleine unermüdliche Schar an Bord um noch bis spät in die Nacht zusammen Musik zu machen und zu klönen.

200703 Eckernförder Zeitung

   
Die Wiese blüht in schwarz weiß Marianne Tralau stellt in der Frühstücksbühne Scherenschnitte aus.





Die Bilder mit der Wiese stehen auf den Boden: In der Frühstücksbühne blüht es schwarz-weiß

Das alte Thema Scherenschnitte greift Marianne Tralau in der Frühstücksbühne (Nicolai Str. 7) auf. Nicht als Jahrmarktskunst zur Belustigung des Publikums, sondern als flächige Rauminstallation mit dem Thema Wiese. Marianne Tralau beschreibt die Vorgeschichte der Ausstellung so: Vor Jahren transportierte sie unter dem Thema „Raumverpflanzung“ eine Wiese ins Museum. 500 Fotos gaben in Originalgröße, aber in Einzelstücken eine Wiese in diesem ungewohnten Umfeld naturgetreu wieder. Diesmal ist es wieder ein Wiese, aber mehr verinnerlicht: Tischrähmchen finden sich normalerweise eher auf Schreibtischen mit den Portraits der Lieben. Hier sind es 101 der kleinen Rahmen, die Scherenschnitte mit Wiesenmotiven aufzeigen und natürlich auf dem Galerieboden stehen. Tralau berichtet: „Jeden Tag habe ich beim Schneiden der Motive das Konzept geändert, so entstand eine Metamorphosenreihe.“ Anfänglich sehr akribisch wurde sie immer experimentierfreudiger: „Zum Schluß habe ich auch blind geschnippelt und nicht nur Karton sondern auch Stoff genommen.“ Diese Bewegung ist deutlich in den Motiven zu erkennen. Zehn Tage konzentrierter und lustvoller Arbeit benötigte die Künstlerin um die vielen Rähmchen mit den kleinen schwarz-weißen Bildern zu füllen. Ergänzend hat sie auch einige der ursprünglichen Wiesenfotos und Muster von dem „blühenden Stoff“ aufgestellt, die den Anfangs- und Endpunkt dieser Bilderreihe bilden. Assoziativ noch ein Foto eines Naturscherenschnittes aus den windumbrausten Flächen der Hocheifel. Ein kleines Higlight gelang ihr noch einen Tag vor der Ausstellungseröffnung beim Essen im Kontorhaus in der Frau Clara Strasse zu ergattern: Echte Jahrmarktsscherenschnitte des Wirtspaares Slavica und Drago Bartos, die anmutig zeigen, wie diese auch in jungen Jahren niemals ausgesehen haben.
Die Ausstellung ist in der Frühstücksbühne ist bis zum 17.7. Donnerstags bis Sonnabends von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Im Internet weitere Infos unter www.m-tralau.de

230603 Eckernförder Zeitung

 

 

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